Ein digitaler Zwilling ist die virtuelle Abbildung eines realen oder digitalen Systems. In der Cybersecurity kann dieses Konzept genutzt werden, um Systeme zu analysieren, Sicherheitsrisiken besser zu verstehen oder zusätzliche Schutzarchitekturen zu schaffen. Beim Schutz moderner Webanwendungen eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten: Statt sich ausschließlich auf die Erkennung und Blockierung von Angriffen zu verlassen, kann eine zusätzliche digitale Ebene zwischen öffentlich erreichbaren Komponenten und der eigentlichen Infrastruktur eingesetzt werden.
Moderne Webanwendungen müssen öffentlich erreichbar sein, damit Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner sie nutzen können. Gleichzeitig entstehen dadurch potenzielle Angriffspunkte.
Klassische Sicherheitslösungen versuchen, diese Angriffspunkte durch Überwachung, Filterung und die Erkennung verdächtiger Aktivitäten zu schützen.
Digitale Zwillinge eröffnen je nach Implementierung zusätzliche Möglichkeiten. Sie können beispielsweise eingesetzt werden, um das Verhalten von Systemen zu untersuchen, Angriffsszenarien zu simulieren oder eine zusätzliche Sicherheitsebene zu schaffen.
Ein Architekturansatz besteht darin, öffentlich erreichbare Komponenten von der eigentlichen Infrastruktur zu trennen und bestimmte Funktionen über eine vorgelagerte digitale Ebene bereitzustellen.
Dadurch kann die direkte Erreichbarkeit sensibler Systembereiche reduziert werden.
Die zentrale Idee: Nicht jede Komponente, die ein Nutzer verwenden kann, muss unmittelbar mit der eigentlichen Infrastruktur verbunden oder öffentlich erreichbar sein.
Bei einer Webanwendung bezeichnet das Frontend den Bereich, mit dem Nutzer unmittelbar interagieren. Das Backend übernimmt dahinterliegende Funktionen wie Datenverarbeitung, Geschäftslogik und die Kommunikation mit weiteren Systemen.
Eine sichere Architektur sollte verhindern, dass öffentlich erreichbare Komponenten unnötigen Zugriff auf sensible Bereiche erhalten.
Durch eine konsequente Trennung können Zugriffe kontrolliert, Kommunikationswege begrenzt und potenzielle Auswirkungen eines erfolgreichen Angriffs reduziert werden.
Ein entsprechend konzipierter digitaler Zwilling kann als zusätzliche Ebene zwischen Nutzern und der eigentlichen Infrastruktur eingesetzt werden.
Dabei bleibt die notwendige Funktionalität der Anwendung erhalten, während der direkte Zugang zu bestimmten Backend-Komponenten eingeschränkt werden kann.
Je weniger sensible Systembereiche unmittelbar erreichbar sind, desto geringer kann die direkt angreifbare Oberfläche ausfallen.